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Information Menstruation

Bitch, du hast mein Herz gebrochen (Bitch)
Denn bei unserm ersten Date hattest du die Erdbeerwoche (Erdbeer)
Sie sagt: „Nur noch drei Tage“ (Tage), doch meine Antwort ist: „Ciao!“ (ciao)
Du weißt genau, wo die Tür ist, ich hoff‘, du findest hier raus – rappt KC Rebell x Summer Cem feat. Elias in seinem Song „Erdbeerwoche“ – tja, da verpasst der arme Junge vielleicht was. Denn gerade während der Menstruation sind manche Menschen besonders sensibel oder verspüren mehr Lust als sonst und der Sex kann sich für beide Partner*innen intensiver anfühlen. Mal abgesehen davon, dass man doppelt was verpasst, wenn man „Sex“ nur mit Penetration gleichsetzt.

 

Aber bleiben wir beim Thema: Menstruation wird immer noch als Tabu behandelt. Kulturgeschichtlich gibt es sehr viel Erschreckendes bis Skurriles zu berichten, so heißt es im 3. Buch Moses „Wenn eine Frau einen Ausfluss hat und der Ausfluss aus ihrem Körper Blut ist, soll sie sieben Tage lang in ihrer Regel verbleiben. Wer sie berührt, ist unrein bis zum Abend. Alles, worauf sie sich während ihrer Regel legt, ist unrein; alles, worauf sie sich setzt, ist unrein.“ Diese Stigmatisierung ist gefährlich: Neben psychischer Belastung führt die Tabuisierung zu unzureichender Aufklärung und mangelnder Hygieneversorgung, was wiederum lebensbedrohliche Krankheiten und Infektionen zur Folge haben kann.

 

Auch vermeintlich fortschrittliche Zeiten wie die Aufklärung halfen den Frauen nicht weiter, im Gegenteil: Die Frau wurde als ungezähmtes Wesen der Natur angesehen, die es zu beherrschen galt: Jean-Jaques Rousseau in der Menstruation die „Folge einer verderblichen Auswirkung der Zivilisation auf die Frau, die durch zu viel Essen, zu wenig Bewegung und eine durch gesellschaftliche Normen eingeschränkte Sexualität hervorgerufen wird“[1]. Das ist eine patriarchale Sichtweise auf Körper und Zusammenhänge, die bis heute gilt. Dennoch gibt es auch Kulturen, in denen das Blut als heilig und besonders wertvoll angesehen wird. Die Hindus glauben, dass die Große Mutter mit ihrem Menstruationsblut den ganzen Kosmos und seine Materie erschuf. Die Hindu-Göttin Kali lud später die anderen Götter ein, in ihrem Menstruationsblut zu baden. Es ist schon seltsam: Das Blut, das monatlich aus der Gebärmutter ausgeschieden wird, ist das gleiche, das aus dem Finger tropft, wenn wir uns schneiden. Dennoch wird es bis heute anders behandelt, abgewertet und für ekelerregend erklärt. Dass z.B. in Werbung Blut am aufgeschlagenen Knie gezeigt werden kann, aber die Saugfähigkeit von Binden und Tampons mit blauer (!) Flüssigkeit beworben wird, sagt schon alles.

Dabei würde ein natürlicher Umgang mit dem Thema die Welt für alle Menschen besser machen. Das komplexe und beeindruckende Zusammenspiel von Hormonen zu verstehen z.B. hilft auch zu verstehen, was uns wann guttut – und kann u.a. einen sensibleren Umgang mit der Einnahme von Hormonen schaffen, die leider oft unüberlegt und leichtfertig eingenommen werden. Die Pharmaindustrie freut sich. Natürliche Hormone sind Stoffe, die im Körper hergestellt werden und wie chemische Boten funktionieren. Sie regeln Körperfunktionen wie den Menstruationszyklus und lösen auch den Eisprung aus, aber steuern auch lebenswichtige Funktionen wie Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Ernährung, Körpertemperatur sowie unseren Salz- und Wasserhaushalt. Der weibliche Zyklus wird hauptsächlich von zwei Hormonen bestimmt: Östrogen und Progesteron.

Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille enthalten in der Regel eine Östrogen- und eine Gestragen-Komponente, wobei es mittlerweile Präparate gibt, die ausschließlich aus Gestragenen bestehen. Die synthetischen Hormone simulieren einen Zustand, der mit dem einer Schwangerschaft vergleichbar wäre. So ist die Blutung, die innerhalb der hormonfreien Tage stattfindet, keine Menstruationsblutung, sondern eine sogenannte Abbruchblutung. (Zusätzlich zu den unmittelbaren Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit nehmen Hormone Einfluss auf den gesamten Organismus und damit auch auf die Psyche. U.a. haben synthetische Gestragene die Wirkung, dass Testoide wie Testosteron für den Organismus nicht mehr verfügbar sind, was zur Eindämmung von Empfindungen wie Lust, Vitalität und Selbstkontrolle führt[2])

Übrigens: Nur wenige Säugetiere haben eine Periode wie der Mensch. Hunde haben beispielsweise nur einmal im Jahr einen blutigen Ausfluss, ganz im Gegensatz zur Fledermaus. Diese menstruiert fast wie wir Menschen.

 

Top 3 Songs über Menstruation:

KC Rebell x Summer Cem feat. Elias – „ 🍓 ERDBEERWOCHE 🍓“

Carolin Kebekus „Viva la Menstruation – (Ode an die Periode)“

Die Römischen Votzen – „Frigido“ (zensiert)

 

Hier einige Fakten:

  • Die Menstruation ist bei jedem Menschen was Länge, Intensität, Blutmenge etc. angeht unterschiedlich.
  • Die Menstruation dauert zwischen drei bis sieben Tagen.
  • Ein Zyklus (also der Zeitraum vom ersten Tag, an dem die Periode kommt, bis zum letzten Tag, bevor die nächste Periode kommt) dauert zwischen 23 und 35 Tagen – und nicht wie oft behauptet, genau 28.
  • Im Durchschnitt wird während der Regelblutung 20 bis 60 Milliliter Blut verloren, das sind vier bis zwölf Teelöffel.
  • Durch die Einnahme der Pille wird die Menstruation nur simuliert (s.o.).
  • Die durchschnittliche Person verbraucht ca. 11.000 Tampons während der reproduktiven Jahre.
  • Erst seit Oktober 2019 fallen in Deutschland bei Menstruationsprodukten nicht mehr 19 Prozent Mehrwertsteuer, sondern nur noch 7 Prozent an – damit gelten Tampons und Co. endlich nicht mehr als Luxusprodukte (wie Kunst und Kultur, Schnittblumen und Lachskaviar). Danke!
  • Besondere Ereignisse wie Stress, Diäten oder Verhütung können die Blutung beeinflussen.
  • Auch während der Periode kann man schwanger werden.
  • Eine natürliche und umweltfreundliche Alternative zu (gebleichten) Ob’s sind neben Menstruations-Cups auch Menstruationsschwämmchen: kleine Naturschwämme: die die Scheidenhaut nicht austrocknen und einfach ausgewaschen werden (zu kaufen z.B. bei www.bloodmilla.de).
  • „Freie Menstruation“ bedeutet Hygieneartikel ganz wegzulassen und zu lernen, das Blut auf der Toilette abzulassen.
  • [1] Judith Schlehe: Das Blut der fremden Frauen. 1987
  • [2] Siehe: Sabrine Kray: Freiheit von der Pille. 2017